Aufmerksamkeit
Samstag, 30. Mai 2009asphalt & anders blogt also. Und obwohl der vor zwei Tagen in der taz erschienene Artikel „Rendite versus Sortimente“ etwas schwer ist für einen sonnigen Samstagnachmittag und den allerersten Blog, möchte ich doch damit starten. Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher Verlags, schreibt darin auf so treffliche Weise von den Missständen im Verlagswesen, die Urs Engler unlängst bekannt geben ließen, er müsse sein feines Programm einstellen. Von der ruinösen Einkaufspolitik der Buchhandelsriesen und davon, dass nicht mehr die Qualität, sondern lediglich die Umschlagsgeschwindigkeit eines Produktes zählt. An dieser Stelle fällt mir ein Kölner Buchhändler ein, der sein komplettes Schaufenster mit einem Titel zum Thema Liebe schmückt, anstatt Vielfalt und Geschmack zu präsentieren. Jörg Sundermeier schreibt weiter von den schlechten Büchern der Comedians und von der Autorentreue, die die großen, noch wohlklingenden Verlage missen lassen. Nicht zuletzt schreibt er von den Feuilletons, die sich immer seltener Erzählvermögen und Sprachgewalt widmen und vielmehr die Bestsellerlisten diskutieren. Und von der fehlenden Aufmerksamkeit gegenüber den unabhängigen Verlagen im Allgemeinen.
Und genau das wollen wir. Aufmerksamkeit. Von allen Seiten. Aufmerksamkeit für unsere Arbeit, die Autorinnen und Autoren und ihre Literatur. Das Hamburger Abendblatt veröffentlicht nächsten Samstag, am 6. Juni, die Kurzgeschichte „Gefühlte Sicherheit“ von Stefan Petermann aus unserer Anthologie „Schau gen Horizont und lausche“ in der Rubrik „Schrift-Stücke“, mit einem Porträt des Autors und Hinweis auf den Verlag. Eine wunderbare Sache. Ich kann es kaum erwarten, eine Ausgabe in Händen zu halten.
Und Stefan Petermann hat noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient, der Publikumspreis und der dritte Platz in der Jury-Wertung beim MDR-Literaturpreis Anfang Mai soll erst der Anfang gewesen sein. Im Herbst erscheint sein Roman „Der Schlaf und das Flüstern“ im asphalt & anders Verlag, und wir möchten uns dabei, da seien die schönen und mutigen Worte von Andreas Rötzer vom Verlag Matthes & Seitz zitiert, vom Vertrauen in das Buch leiten lassen. Vom Vertrauen in die sanfte, warmherzige Geschichte von Janek und Pola und der Hasenheide, vom Vertrauen in einen eigenständigen und kraftvollen Erzählstil. Und vom Vertrauen, dass solch wertvolle Literatur auch ihre Leser finden wird.