EM 2012: Martin Beyer

Deutschland vs. Portugal 2:1

Der zu erwartende Spielverlauf:

Dieses Spiel wird kein leichtes sein. Dieses Spiel wird steinig und schwer. Bereits in der 8. Minute wird Portugal in Führung gehen. Das Perfide: Ronaldo wird das Tor NICHT selbst schießen, sondern uneigennützig auf Nani auflegen, der dann vollstreckt. Wir müssen dem Fußballbeau also richtig böse sein, daher mein Rat an alle männlichen Fans: das Spiel nicht mit der Lebensgefährtin schauen. Ein Kommentar wie „Der sieht aber wenigstens gut aus!“ kann bereits die gesamte Europameisterschaft verderben.

Reinhold Beckmann wird bis zur 68. Minute damit beschäftigt sein, den Untergang des deutschen Fußballs im Allgemeinen und das Scheitern einer goldenen Generation im Speziellen zu orakeln. Flirt mit dem Untergang. Gleichzeitig ist er voller Vorfreude, dass er dem bis dahin zurückgetretenen Jogi Löw in seiner nächsten Solo-Sendung einige Tränchen aus den Augen talken wird.

Doch dann eben: die 68. Minute. Philipp Lahm wird es richten, mit einem Sololauf, den Arjen Robben nicht besser hinbekommen hätte und bei der EM (siehe nächstes Spiel der Deutschen) auch nicht hinbekommen wird. Dann, Beckmann und ganz Fußballdeutschland gibt sich bereits mit einem Unentschieden zufrieden, wird der eingewechselte Götze den Siegtreffer erzielen. „Wie im Märchen“, wird Beckmann sagen, „aber bei Götze müssen wir uns ja keine Sorgen machen, dass er abhebt.“

Gerade noch mal gut gegangen, lieber Reinhold. Der das Spiel übrigens gar nicht kommentieren, sondern an der Seite von Mehmet Scholl („das war ein holpriger Start“) moderieren wird. Gerade noch mal gut gegangen.

 

Martin Beyer ist in unserer Anthologie Schau gen Horizont und lausche mit der Erzählung “Die Medea der großen Stadt” vertreten.

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