EM 2012: Martin Beyer

Deutschland vs. Griechenland _:_
Der zu erwartende Spielverlauf:
Nachdem ich mit meinen “Prophezeiungen”, oder besser: vagen Ahnungen eines Mondsüchtigen bisher ziemlich daneben lag, habe ich mich sofort nach Griechenland aufgemacht, sobald die Viertelfinalpaarung feststand. Vielleicht wird es besser, dachte ich mir, wenn ich mich in die (momentan sehr wunde) Volksseele des Gegners einfühle, um einen möglichst präzisen Tipp abzugeben. Leider hat auch das nicht geklappt, wie die Fotos beweisen.
Man hat den deutschen Schweinebraten sozusagen gerochen und mich statt nach Athen auf eine Insel gelockt und mich mit Meerblicken und Süßspeisen und Sonnenuntergängen nicht nur abgelenkt, sondern völlig urteilsunfähig gemacht. “You come from Germany? Germans are great”, höre ich allenthalben, als gäbe es momentan keinerlei Ressentiments gegen Deutschland und seine eiserne Spar-Bundeskanzlerin. Und das Schlimme ist: Langsam glaube ich es sogar. Ich kann also zu dem anstehenden Spiel nichts sagen, und das Schlimme ist: Mir ist das Spiel, mir ist die gesamte Europameisterschaft im Grunde egal geworden, solange nur das Mythos-Bier fließt und die Sonne scheint und die Süßspeisen …
Der zu erwartende Spielverlauf daher nur als Lückentext:
Unglaublich, was sich da in der __. Minute zugetragen hat. Wie konnte Gekas diesen Ball _______________. Gomez scheint heute nicht/wie gewohnt/wie immer (Unzutreffendes bitte streichen) ___________. Schweinsteiger/Özil/Müller! Das war knapp/souverän eingenetzt/völlig daneben. __. Minute! Endlich/immer noch nicht die Führung/der Ausgleich. So kann es weitergehen/so darf es nicht weitergehen. Was macht eigentlich Podolski/Khedira? Auf Mario Götze haben wir lange gewartet, aber jetzt schlägt endlich seine Stunde/und auch heute wird es wieder nichts mit einer Einwechslung. Das war wieder Bang Bang Boateng/ Boateng, never again! Schluss! Aus! Deutschland ist im Halbfinale/ist nach einer indiskutablen Vorstellung gegen bärenstarke/uninspirierte Griechen ausgeschieden. Toll gemacht/Dumm gelaufen!

Martin Beyer ist in unserer Anthologie Schau gen Horizont und lausche mit der Erzählung “Die Medea der großen Stadt” vertreten.
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