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EM 2012: Stefan Petermann

Sonntag, 24. Juni 2012

Höwedes

Wenn das Spiel an dir vorbeiläuft, musst du was tun. Da kannst du nicht ewig in der Defensive bleiben. Wenn du nur verteidigst, kannst du nicht gewinnen. Die anderen stürmen, und irgendwann werden sie ein Tor schießen. Du wirst diesen einen Schritt zu spät gekommen sein, du wirst ein einziges Mal nicht hoch genug gesprungen sein, du wirst einmal nicht auf den Ball geschaut haben, sondern auf den Mann und dich dann von einem Übersteiger täuschen lassen. Dann wirst du dir nicht anders zu helfen wissen, als das Bein lang zu strecken und loszutreten. Jemand wird zu Boden gehen, die Arme theatralisch von sich gestreckt, leidend, voller Schmerz wird sich jemand auf dem Rasen kugeln, minutenlang, bis der Freistoß, der Elfmeter, die gelbe Karte gegeben ist. Draußen von den Rängen werden sie pfeifen, deine Nebenspieler werden dich zur Rede stellen, du siehst deinen Trainer hektisch gestikulieren. Du wirst ganz unten sein.

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EM 2012: Martin Beyer

Freitag, 22. Juni 2012

Deutschland vs. Griechenland  _:_

Der zu erwartende Spielverlauf:

Nachdem ich mit meinen “Prophezeiungen”, oder besser: vagen Ahnungen eines Mondsüchtigen bisher ziemlich daneben lag, habe ich mich sofort nach Griechenland aufgemacht, sobald die Viertelfinalpaarung feststand. Vielleicht wird es besser, dachte ich mir, wenn ich mich in die (momentan sehr wunde) Volksseele des Gegners einfühle, um einen möglichst präzisen Tipp abzugeben. Leider hat auch das nicht geklappt, wie die Fotos beweisen.

Man hat den deutschen Schweinebraten sozusagen gerochen und mich statt nach Athen auf eine Insel gelockt und mich mit Meerblicken und Süßspeisen und Sonnenuntergängen nicht nur abgelenkt, sondern völlig urteilsunfähig gemacht. “You come from Germany? Germans are great”, höre ich allenthalben, als gäbe es momentan keinerlei Ressentiments gegen Deutschland und seine eiserne Spar-Bundeskanzlerin. Und das Schlimme ist: Langsam glaube ich es sogar. Ich kann also zu dem anstehenden Spiel nichts sagen, und das Schlimme ist: Mir ist das Spiel, mir ist die gesamte Europameisterschaft im Grunde egal geworden, solange nur das Mythos-Bier fließt und die Sonne scheint und die Süßspeisen …

Der zu erwartende Spielverlauf daher nur als Lückentext:

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EM 2012: Martin Beyer

Montag, 18. Juni 2012

Deutschland vs. Dänemark 3:2

Der zu erwartende Spielverlauf:

Beim dritten Spiel einer Europameisterschaft darf man schon einmal nachfragen, was eigentlich die Spieler machen, die bisher nicht zum Zuge gekommen sind und nun hoffen, wenigstens in einem “Zwischenspiel” wie gegen Dänemark die eine oder andere Leistung abrufen zu dürfen. Nun:

Was macht eigentlich Höwedes? Höwedes ist dazu verurteilt, der Wayne Rooney der deutschen Nationalelf sein zu müssen, auch wenn seine Frisur wesentlich besser sitzt als die neue Haar”pracht” des Engländers. Rooney gibt, da die ersten beiden Spiele gesperrt, wenigstens den Stimmungsmacher im englischen Teams, wie man hört. Und Höwedes sorgt sicher genauso für prächtige Laune, hat immer einen Spruch auf den Lippen, nur ein Instrument spielen wie Cacau (was macht eigentlich Cacau?) kann er leider nicht. Er könnte sich jetzt eigentlich Hoffnung machen, für den gesperrten Boateng als Rechtsverteidiger ins Team zu kommen, aber Löw hat ja bereits deutlich gemacht, dass ihm Bender auf dieser Position im Training prächtig gefallen habe. Nur: Bender hat diese Position noch nie in seinem Leben gespielt. Wenn das kein Vertrauensbeweis für Höwedes ist, dann weiß ich auch nicht. Höwedes ist also Rooney, nur bleibt Höwedes für das gesamte Turnier gesperrt, obwohl er gar nicht gesperrt ist. Schon schlimm.

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EM 2012: Martin Beyer

Mittwoch, 13. Juni 2012

Deutschland vs. Niederlande 0:2

Der zu erwartende Spielverlauf:

Nachdem ich mit meinem ersten Tipp gar nicht so falsch lag und damit „ein Stück weit Selbstvertrauen getankt habe“, möchte auch ich mich im Turnierverlauf stetig verbessern und zeigen, dass ich ein Turnierautor bin. Was im ersten Tipp noch gar nicht „zum Tragen kam“, war die Suchmaschinenoptimierung des Beitrags. Ich schreibe hier für das Internet, da muss man doch von einem modernen Autor ein Mindestmaß an Search-Engine-Optimization (SEO)-Taktik voraussetzen. Ich bemühe mich im Folgenden also um gute Keywords und um eine hohe Keyword-Dichte, damit der suchmaschinenoptimierte Artikel auch gut „gerankt“ wird.

Also: Jerome Boateng (schon mal ein gutes Keyword) hat im ersten Spiel ja gezeigt, dass er die Affäre um Gina Lisa (nicht so gutes Keyword), anders gesagt mit dem NACKTMODELL GINA LISA (schon besser), also mit dem B-PROMI NACKTMODELL GINA LISA (gute Density) sehr gut verkraftet und Ronaldo von Real Madrid, der von José Mourinho gecoacht wird und gerade unter José Mourinho spanischer Meister, aber nicht Champions League-Sieger 2012 geworden ist, nahezu komplett ausgeschaltet hat, auch wenn man natürlich bei einem Ronaldo nicht alles vermeiden kann. Jerome Boateng hat sich auch nicht von den fadenscheinigen Anfeuerungsrufen jenes Nacktmodells Gina Lisa (BANG BANG BOATENG!, besser wäre – aus SEO-Sicht – natürlich GANG BANG BOATENG gewesen) beirren lassen und gegen Portugal, das „in diesem Leben“ (Reinhold Beckmann) bestimmt noch einmal von José Mourinho trainiert wird, ein geiles Spiel gemacht.

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EM 2012: Stefan Petermann

Dienstag, 12. Juni 2012

Der Schönste, der Stärkste, der Allerbeste

Alle vier Wochen trafen wir uns am Sandplatz bei der Flussbiegung; Javier, Dirk, Mathijs, Krzysztof, Harry, Giuseppe und die anderen. Ein Spiel sollte ermitteln, wer der Schönste, Klügste und Stärkste von uns sei. Dem Gewinner würde unsere kleine Welt gehören, jedenfalls für die nächsten Wochen.

Zuerst einigten wir uns auf die Mannschaften: Wie immer wollte niemand Eoin oder Vladyslav haben. Warum sie überhaupt dabei waren, wusste niemand so recht. Ein Münzwurf entschied die Seite. Dann begann der Kick.

Es dauerte eine Weile, bis sich alle zurechtgefunden hatten. Doch bald schon spielten sich Dirk und Javier in einen Rausch. Sie brillierten mit ausgeklügelten Spielzügen, hielten den Ball nie länger als eine Sekunde am Fuß und öffneten mit geschickten Laufwegen Räume. Sie hatten ein Konzept, das Ästhetik und Intelligenz vereinte. Mit offenen Mündern ließen wir sie gewähren, denn trotz aller Eleganz blieb ihnen vorerst ein Tor versagt.

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